Zweigleisig

Sicherheit und Gesundheit sind eng miteinander verknüpft. Beide Themen liegen mir am Herzen. Diesen Sommer haben wir erlebt, wie die grosse Hitze die Gesundheit und in der Folge auch die Sicherheit der Menschen und Tiere beeinträchtigt hat. Ich mache mir Gedanken und ja, auch Sorgen, wie es diesbezüglich weiter gehen wird. Ich denke mir, diese Sorge trage ich gemeinsam mit vielen anderen Menschen in mir.
von Sabine Steinmann, Landrätin und Fraktionspräsidentin, Oberurnen
Wie Sie wissen, sind die Auswirkungen auf die Gesundheit gross (Übersterblichkeit, Anstieg von Herzproblemen, von Dehydrierung, Stürzen, Notfällen). Ältere und alleinlebende Personen sind besonders gefährdet; Angehörige und Gesundheitspersonal sind gefordert. Bei den jüngeren Generationen sind es Kinder und Jugendliche, die sich in der Schule weniger konzentrieren können; Schwangere haben mit dem Stoffwechsel zu kämpfen; Kleinkinder überhitzen schnell. Wer draussen arbeitet (Bau, Wald, Landwirtschaft, etc.), ist der Hitze sehr direkt ausgesetzt.
Der Schutzwald verliert an Stärke, die Wasserreserven nehmen ab. Trockene, erwärmte Bäche führen zu einem grossen Fischsterben. Die Böden sind ausgetrocknet, die Erträge und somit die Ernährungssicherheit sinken. Es besteht Brandgefahr und dadurch für Polizei und Feuerwehr eine zusätzliche Belastung.
Wir brauchen einen Plan, wie wir auf diese Bedrohungen für unsere Gesundheit und Sicherheit in Zukunft reagieren. Er muss Punkte enthalten, die mittelfristig greifen – wie eine klimaangepasste Siedlungsentwicklung oder Rückhaltebecken, um Niederschläge aufzufangen. Aber auch soziale Massnahmen, die sofort bei einer Hitzewelle zum Tragen kommen – wie Kontrollanrufe bei alleinstehenden älteren Menschen oder Entlastungsmassnahmen für solche, die draussen arbeiten.
Denn gemäss Kantonsverfassung haben Kanton und Gemeinden die Aufgabe, sich gegen die nachteiligen Auswirkungen der Klimaveränderung einzusetzen (Art. 22a). Und laut Gesundheitsgesetz ist der Kanton für die Gesundheitsprävention zuständig (Art. 4). So hat die SP-Fraktion vor Kurzem einen Vorstoss eingereicht: Der Regierungsrat soll prüfen, welche Massnahmen umzusetzen sind, um den Schutz vor der zunehmenden Hitze zu gewährleisten.
Auch wenn wir uns dies nicht wünschen: Jetzt müssen wir zweigleisig fahren. Einerseits die Ursache endlich mit Konsequenz angehen (also weniger CO2 ausstossen). Andererseits müssen wir uns gegen die nachteiligen Auswirkungen der Klimaveränderung schützen. Deshalb brauchen wir einen Massnahmenplan, der diese Auswirkungen in den verschiedenen Bereichen angeht: Gesundheit, Schule, Tiere, Wald, Landwirtschaft, Wasser und -versorgung, Schutz und Rettung, Arbeitsbedingungen.
Es ist wirklich umfassend. Doch ich vertraue darauf, dass wir aus der gemeinsamen Sorge heraus einen Weg finden, diese kommenden Aufgaben zu bewältigen.