Mal (wieder) in den Ranft steigen

«Die Meinungen sind gemacht» hiesse es, würden wir im Ring über die 10-Millionen-Initiative abstimmen. Die von wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Argumenten geprägte Debatte erschöpft sich.

Politkolumne von Werner Kälin, SP-Landrat, Ennenda

Was die SVP-Initiative bedrohlich macht, sind nicht die haltlosen Behauptungen, die sie verbreitet. Bedrohlich ist die Zustimmung. Sie setzt unseren Zusammenhalt aufs Spiel, an den uns kein Geringerer als der Schweizer Nationalheilige Bruder Klaus erinnert. Wie im Jahr 1481 kommt auch 2026 die Bedrohung von innen.

Liegen die sachlichen Argumente auf dem Tisch, die locker für ein Nein zur SVP-Initiative genügen, bleibt nur noch Fremdenfeindlichkeit, um bei einem Ja zu bleiben. Das ist nicht die Schweiz, die zusammenhält. Fremdenfeindlichkeit reduziert auch unsere Leistungsfähigkeit. Sie hält Betroffene und Ausübende davon ab, gut zu leben, arbeiten und partizipieren – kurz: ihren Beitrag zu leisten. Im Glarnerland sind wir aber auf den Beitrag aller angewiesen. Deshalb sorgen wir füreinander. So dankt Glarus Nord auf Instagram den Asylbewerbenden, die Wanderwege unterhalten, Strassen reinigen und Neophyten bekämpfen. Das ist liebenswert am Glarnerland. Im Übrigen warnt auch der Glarner Regierungsrat vor der SVP-Initiative.

Zum Abbau des Zivildienstes sind die Meinungen noch nicht gemacht. Die Vorlage ist ein Symptom des Backlash, auf dem auch die SVP-Initiative beruht. Das Pochen auf den klassischen Militärdienst geht einher mit einem Männlichkeitsbild, das auch über soziale Medien in die Gesellschaft drängt und zum Beispiel junge Männer in sexistische und rassistische Milieus treibt. Ich erinnere mich an die Reaktion meines Umfelds nach meiner Aushebung als Sanitäts-Rekrut: «Du kommst zu den Schwulentruppen!» Ich hätte mich wenigstens deshalb etwas auf den Militärdienst freuen können, war mir aber der Abwertung hinter der Aussage bewusst. Ich vollendete die RS nur, um meinen Vater im Sterbebett vor meiner Verweigerung und meinem Coming-out zu verschonen.

Zur Allianz gegen das neue Zivildienstgesetz gehören die Kleinbauern-Vereinigung und die Heilsarmee. Bei Letzterer leisten jährlich über 500 junge Männer Dienst in Alters- und Kinderheimen, Flüchtlingsunterkünften und Wohnangeboten für Menschen mit Beeinträchtigung. Auch die Zahlen in der Land- und Alpwirtschaft beeindrucken: Zivis haben 2025 über 50’000 Stunden in 830 Betrieben geleistet. Der Bedarf in der Landschafts-, Alp- und Waldpflege übersteigt die Nachfrage bei Weitem. Inzwischen ist der Zivildienst, im Vergleich mit der heutigen Armee, eine Schweizer Erfolgsgeschichte.

Als ob Sie es nicht wüssten, sind am 14. Juni auch Landratswahlen. Diejenigen von Ihnen, die können, müssen die SP oder mich nicht wählen. Sie können aber, weil auch im Landrat Vielfalt zählt. Was Sie aber um Gottes Willen tun müssen: Stimmen Sie Nein zu den beiden Vorlagen, die unser Land auseinanderreissen. Oder was denken Sie, würde Bruder Klaus uns raten? Mal (wieder) zu ihm in den Ranft steigen, hilft, es zu erfahren.