Geht es auch unpolitisch?

In ihrer Politkolumne schreibt unsere Kandidatin für den Gemeinderat Glarus Nord über vermeintlich politisches Desinteresse. Die Co-Präsidentin der SP Glarus Nord nimmt auch kein Blatt vor den Mund, wenn es um die JUSO-Initiative zur Einführung einer nationalen Erbschaftssteuer geht.
von Tanja Simitz, Niederurnen
Vielleicht geht es Ihnen wie mir und Sie stossen im Freundes- wie auch Bekanntenkreis auch immer wieder auf die Aussage: «Mit Politik hab ich nichts am Hut.» Diese Aussage finde ich immer sehr schade und kann diese dann auch nicht so im Raum stehen lassen: Denn – alles ist irgendwie politisch. Jede alltägliche Entscheidung, sei sie noch so klein, steht meist in einem politischen Kontext.
Hier ein paar alltägliche Beispiele: Der Schulweg. Sie schicken ihr Kind in die Schule und stehen vor der Frage: Geht es nun allein, muss man es begleiten oder bringt man es mit dem Auto in die Schule? Für die gesundheitliche sowie auch für die pädagogische Entwicklung wäre der selbstständige Schulweg für das Kind eigentlich das Naheliegendste. Nun bieten einige Schulen in Glarus Nord ein neues fragwürdiges Konzept an; Kiss & Ride. Die Kinder können so nun ganz bequem vor der Schule abgesetzt werden; die Autos im Standgas wie beim MC Drive schön nacheinander aufgereiht.
Aber wäre es nicht viel sinnvoller, sichere Fuss- und Velowege zu schaffen, damit Kinder selbstständig zur Schule kommen können? Hier setzt die
Politik an. Oder auch bei der Frage: Wie möchten Sie im Alter in den Altersheimen gepflegt werden? Vor ein paar Wochen konnten Sie an der Gemeindeversammlung in Glarus Nord entscheiden, ob Sie im Alter angemessene Pflege oder gute Pflege möchten. Sie haben sich für die gute Pflege entschieden. Sehr verständlich, denn wer möchte nur «angemessen» gepflegt werden?
Auch am kommenden Wochenende können Sie mit Ihrer Stimme ein Zeichen setzen bei der Initiative für eine Zukunft von der Juso. Stellen Sie sich vor,
die Initiative wird dank Ihrer Stimme angenommen. Plötzlich würde viel Geld für den Klimaschutz zur Verfügung stehen und es wäre nicht mehr nur ein Tropfen auf dem heissen Stein. Klimaziele könnten plötzlich erreicht werden. Und ganz ehrlich: Diese Initiative betrifft nur Leute mit mehr als 50 Millionen Franken, hierfür bräuchte ich persönlich mehr als 50 Leben, um überhaupt in die Nähe eines solchen Vermögens zu kommen. Wie viele Leben benötigen Sie? Natürlich ist dies eine utopische Idee und wird auch innerhalb unserer Partei rege diskutiert. Aber wer weiss? Mich persönlich würde es freuen, wenn Utopia plötzlich real würde.
Der Job von uns Politikerinnen und Politikern ist es, diese Fragen aufzudecken und ihnen nachzugehen. Oder auch – wie oben beschrieben –, Utopien zu entwickeln, Diskussionen anzuregen und je nachdem auch mal einen Wandel in der Gesellschaft zu vollbringen. Kennen Sie auch solch interessante Fragen? Dann besuchen Sie uns Kandidatinnen und Kandidaten der SP im Januar direkt vor Ort und werden wir zusammen politisch.
Quelle: Südostschweiz Glarner Nachrichten, 28.11.2025