Chani hälfe?

Nun liegt das grosse Fest hinter uns. Die einen sind froh, dass das Thema ESAF wieder weniger Platz einnimmt, die anderen erinnern sich wehmütig an die schönen Tage, und wieder andere sind mit dem Abbau beschäftigt. Vor und während des Anlasses gingen mir ein paar Gedanken immer wieder durch den Kopf; gerne möchte ich sie mit Ihnen teilen.

Politkolumne «zur Debatte» von Sabine Steinmann, Landrätin, Fraktionspräsidentin

Alle, die am ESAF waren, wissen, was auf den Helf-T-Shirts geschrieben stand: «Chani hälfe?». Ich kann nur für meine Einsätze in der Küche sprechen – aber dort war «Chani hälfe?» Programm. Angeleitet von erfahrenen Küchenprofis ging die Arbeit Hand in Hand, und ich dachte: Wäre es doch nur überall auf der Welt so. Ich dachte, dass wir eine Revolution der Freundlichkeit brauchen, die sich gegen die gefühlte Grobheit unserer Gegenwart stellt.

Dieses «Chani hälfe?»-Leibchen zu tragen und mitzuhelfen habe ich sehr gerne gemacht, und es hat mir auch aus feministischer Sicht gefallen: Ich war als Frau für einmal nicht «Helfer» oder «Gastgeber». Das nenne ich eine elegante und kreative Lösung, ohne Genderphobie oder Genderwahn. Gerne in Zukunft mehr davon!

Als es an der letzten Landsgemeinde um die autofreien Sonntage für das Klöntal ging, wurde in Voten auf die Einschränkung des motorisierten Individualverkehrs hingewiesen und dies als Grund für eine Ablehnung genannt. Über die Zeit des ESAF hingegen durfte ich mit Freude erleben, dass die Autos zu Hause blieben und Hunderte von Velos hervorgeholt wurden. Wir haben uns eingeschränkt – zugunsten von etwas Grösserem. Ich wünschte mir, dass wir das für noch etwas viel Grösseres, nämlich für unsere Natur, auch machen.

Und zum Schluss ein weiterer Wunsch: Dass «Chani hälfe?» auch in der Politik mehr Gewicht bekommt. Wenn es einer Gruppe innerhalb der Bevölkerung nicht gut geht, muss die Politik hinschauen und reagieren. Sei es bei den Bewohnenden des Altersheim Elm, bei den Long-Covid-Betroffenen, bei den vom Wolf geplagten Bauern. Bei stark beanspruchten Berufsgruppen oder Opfern von Gewalt.

Es ist auch die Politik, die für Ausgleich und Chancengerechtigkeit sorgen muss. Eine soziale Politik sorgt dafür, dass alle gleichen Zugang zu Gesundheitsleistungen und Bildung haben. Und dass alle mit normaler Arbeit ihre Miete und Krankenkasse gut zahlen können und eine anständige Rente erhalten.

Jede Gemeinschaft ist wie eine Kette, deren Glieder alle stark sein müssen, damit sie hält. Und jede Gemeinschaft braucht ab und zu ein grosses Fest, das alle freundlich einschliesst und uns Zusammenhalt spüren lässt.

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